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wie hoch sind sie, fragt der taxifahrer.
eins fünundsiebzig in metern, sage ich. aha, gar nicht so hoch, sagt der taxifahrer, aber wissen sie, ich habe heute nur kleine frauen chauffiert.

ich: habe noch grössere freundinnen.
eine hat so lange beine, die kauft sich oft zwei hosen,
schneidet von einer unten 5 cm ab,
näht sie an die andere an,
versäumt sie abgeschnittene und gibt sie wieder zurück.
bis jetzt nie aufgefolgen.

taxifahrer: lange beine sind gut.
"da gehen die männer weg vom verstand".
ausserdem hat er einen sohn,
der ist zwei meter und zwei zentimeter gross.

ich: das ist gar nichts, mein freund ist noch grösser.
der allergrösste. sie sollten seinen schneider fragen.
was für ärmel!
gross sein, ja, gestern grosses theater im haus,
der aufzug ist steckengeblieben
und die zwei brüder und der cousin von herrn zarazic
mussten von der feuerwehr befreit werden.

taxifahrer: das ist gar nichts.
einmal kurz vor abflug mit 40 pässen im lift steckengeblieben,
da war er noch reiseleiter.
alle haben geglaubt, das ist eine schlechte ausrede.
manchmal klingt die wahrheit wie eine schlechte ausrede.

ich: auch mal in einem lift steckengeblieben,
der sah aus wie ein container von innen.
braun, ohne fenster. düster.

taxifahrer: das ist ja noch garnichts.
ein freund ist höhlenforscher,
und man hat silvester in einem noch nicht offiziell
zugänglichen stollen begangen. tropfsteine und so.
er das schlusslicht, mit karbidlampe.
dann in ein loch gefallen bis zur hüfte
und allein nicht mehr rausgekommen.

ich: testament gemacht?

taxifahrer: es war stockfinster. es war so still,
den atem laut gehört und das herz.
dann sind die anderen denselben weg wieder zurückgekommen.

ich: ah, da vorn ist meine gasse.
taxifahrer: macht acht siebzig.
ich: oh, ich muss schauen ...
taxifahrer: bitte nicht mit einem fünfhunderter zahlen.
ich: fünfhundert habe ich schon lange nicht gesehen.
taxifahrer: müssen sie zum augenarzt.

und wegen der wahrheit, kennen sie den mann,
der den eiffelturm verkauft hat?
er war ungar. ich bin auch ungar,
es gab viel berühmte ungarische hochstapler. toll.
empfiehlt die biografie des eiffelturm hochstaplers:
"hochstapler und mörder".
bitte, die mörderseite interessiert micht aber nicht.

ich: in spanien gabs ein festival,
das hat auf seinen plakaten lauter hochstapler.
ein mann, der einen unsichtbaren elefanten verkauft hat.
der name des festivals fällt mir nicht ein.

taxifahrer: er hat auch laternenmasten verkauft,
alles mögliche, hat mit kreide auf dem gehsteig gemalt vor geschäften und den leuten dann erklärt, hier kommt ein öffentliches klo hin.
die leute haben ihn dann bestochen und er ist weitergezogen. dem könig hat er auch mal was verkauft.
ein toller mann. wissen sie schon, wie das festival heisst?
ich: nein.

taxifahrer: sie müssen thomas mann lesen.
bekenntnisse eines hochstaplers. das ist toll. krull.
seine umwelt hat ihn gar nicht die wahrheit sagen lassen.
ich: sonar! so heisst das festival.
taxifahrer: lesen sie das buch.
ich: ja. schauen sie das im internet nach.
taxifahrer: ja.
ich: gute fahrt dann.
taxifahrer: gute nacht dann.
Melkus meinte am 26. Jul, 15:29:
Es lebe das Klischee! Könnte stimmen, das mit den ungarischen Hochstaplern. Vgl. auch "Elmyr" aus dem unvergesslichen "F For Fake" von Orson Welles.
Dann gab es da noch meinen Mitbewohner Balasz, in Tunis aufgewachsener Forstwirtschaftsstudent, der abends die Shisha anwarf und allseits bezweifelte Stories von seinen Abenteuern in einem Indianerdorf am Amazonas erzählte, einschließlich dem Jagen von Fischen mit langen Speeren und der bedauerlichen Wahrheit, dass regelmäßiger Kinderdiebstahl durch allerlei wilde Urwaldtiere zu den hinzunehmenden facts of jungle life gehört. Unproblematisch war für ihn hingegen das Durchschwimmen des Amazonas.
War aber doch kein Hochstapler, gelegentlich telefonierte er in einem speziellen portugiesischen Dialekt mit dem Stammesobersten. (Andererseits fanden sich nie Auslandsgespräche nach Brasilien auf der Telefonrechnung.) 
lliered antwortete am 29. Jul, 17:14:
taxiunternehmen plott-gulyas. 
 
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